Schauen Sie sich Ihre Stromrechnung genau an: Neben dem Arbeitspreis (ct/kWh) enthält sie möglicherweise einen Leistungspreis (€/kW). Dieser zweite Kostenteil wird von vielen Gewerbetreibenden übersehen, obwohl er schnell mehrere tausend Euro im Jahr ausmacht: Bei 80 kW Jahreshöchstlast und angenommenen 120 €/kW sind es 9.600 €. Peak Shaving setzt genau hier an.

Was ist der Leistungspreis?

Der Leistungspreis (auch Leistungsentgelt genannt) ist der Teil des Netzentgelts, der sich nach der höchsten gemessenen Leistung richtet. Der Netzbetreiber multipliziert einen Jahresleistungspreis in Euro pro Kilowatt (€/kW) mit der höchsten Viertelstunde des Abrechnungsjahres; hinzu kommt ein Arbeitspreis je kWh (§ 17 Abs. 2 StromNEV). Einen Leistungspreis zahlt nur, wessen Verbrauch viertelstündlich gemessen wird, Pflicht ab einem Jahresverbrauch von über 100.000 kWh (§ 55 Abs. 1 MsbG).

Konkret: Wenn Ihr Betrieb einmal kurz 30 kW benötigt — zum Beispiel weil drei Hebebühnen gleichzeitig anlaufen —, zahlen Sie für diese 30 kW das ganze Abrechnungsjahr. Einen Tag später ist die Spitze vorbei, aber die Kosten bleiben.

Wie hoch der Leistungspreis ist, hängt vom Netzbetreiber und von der Benutzungsdauer ab (Jahresverbrauch geteilt durch Jahreshöchstlast). Zwei Preisblätter 2026 für die Niederspannung: SWM Infrastruktur (München) verlangt 24,39 €/kW unter 2.500 Benutzungsstunden und 153,13 €/kW ab 2.500 Stunden, EAM Netz (Hessen) 72,84 bzw. 167,52 €/kW (Preisblatt unter Vorbehalt). In Rechenbeispielen setzen wir 120 €/kW im Jahr an (so rechnen wir). Bei einer Jahreshöchstlast von 30 kW ergibt das 3.600 Euro pro Jahr — nur für den Leistungsteil der Rechnung.

Wer zahlt einen Leistungspreis?

Grundsätzlich gilt: Einen Leistungspreis zahlt, wessen Verbrauch viertelstündlich gemessen wird (registrierende Leistungsmessung, RLM). Das ist Pflicht ab einem Jahresverbrauch von über 100.000 kWh, gleich ob der Betrieb am Nieder- oder am Mittelspannungsnetz hängt. Darunter rechnet der Netzbetreiber mit einem Standardlastprofil ohne Leistungspreis; für diese Betriebe bringt Peak Shaving nichts.

Prüfen Sie Ihre Stromrechnung: Wenn dort ein Posten "Leistung (kW)" oder "Jahreshöchstlast" auftaucht, zahlen Sie einen Leistungspreis, und Peak Shaving kommt für Sie in Frage.

Was genau ist Peak Shaving?

"Peak Shaving" bedeutet wörtlich übersetzt "Lastspitzen abkappen". Die Methode basiert darauf, dass kurze Leistungsspitzen durch eine Batterie aufgefangen werden, bevor sie zum Netzbezug führen. Technisch gesehen überwacht das Energiemanagementsystem (EMS) in Echtzeit den Strombezug des Betriebs. Sobald die Leistung einen vordefinierten Schwellenwert zu überschreiten droht, gibt das EMS ein Signal an den Speicher, und dieser speist binnen Millisekunden Energie ein — die gemessene Netzleistung bleibt unterhalb des Schwellenwerts.

Dieser Vorgang läuft vollautomatisch und ohne menschliches Eingreifen ab. Der Betrieb merkt davon nichts — alle Verbraucher laufen normal weiter, nur die Leistungsspitze erscheint nicht mehr auf dem Zähler.

Wie viel lässt sich sparen?

Die Einsparung durch Peak Shaving hängt von drei Faktoren ab: der Höhe des Leistungspreises Ihres Netzbetreibers, der aktuellen Jahreshöchstlast und dem Ausmaß, um das diese durch einen Speicher gesenkt werden kann.

Als Faustformel für Rechenbeispiele nehmen wir an, dass ein Speicher je 2 kWh Kapazität 1 kW Spitze kappen kann, also Spitzen von bis zu rund zwei Stunden. Ein 27-kWh-Gewerbespeicher senkt die Jahreshöchstlast so um rund 13,5 kW. Bei angenommenen 120 €/kW entspricht das einer Einsparung von 1.620 Euro im Jahr, allein durch Peak Shaving und ohne die Börsenstrom-Arbitrage. Wie viel Spitze sich tatsächlich kappen lässt, zeigt erst Ihr Lastgang.

Rechenbeispiel: Kfz-Werkstatt

Eine Kfz-Werkstatt mit zwei Hebebühnen, einem Kompressor und der allgemeinen Betriebstechnik hat eine Jahreshöchstlast von 28 kW. Diese tritt auf, wenn beide Hebebühnen gleichzeitig anfahren und der Kompressor gerade anläuft. Der Rest der Zeit liegt die Leistung bei 8 bis 12 kW. Annahme: Die Werkstatt verbraucht über 100.000 kWh im Jahr, hat deshalb eine Leistungsmessung und zahlt 120 €/kW Leistungspreis pro Jahr. Kleinere Werkstätten zahlen keinen Leistungspreis; für sie bringt Peak Shaving nichts.

Ohne Speicher: 28 kW × 120 €/kW = 3.360 € Leistungskosten pro Jahr.

Mit Peak Shaving (Schwellenwert auf 21 kW gesetzt): Der Speicher kürzt alle Spitzen über 21 kW ab, ein Viertel der bisherigen Höchstlast. Mehr setzen wir in Rechenbeispielen nicht an, weil der Speicher jede Spitze des Jahres zuverlässig abfangen muss. Neue Jahreshöchstlast: 21 kW. Neue Leistungskosten: 21 kW × 120 €/kW = 2.520 €. Einsparung: 840 € pro Jahr.

Ein 30-kWh-Speicher für 18.200 Euro netto bringt dazu über Börsenstrom-Arbitrage rund 800 € pro Jahr. Zusammen mit Peak Shaving sind das höchstens rund 1.640 € im Jahr (Annahme 120 €/kW), eine Amortisationszeit von rund 11 Jahren. Über Arbitrage allein wären es rund 23 Jahre.

Für welche Betriebe ist Peak Shaving besonders wertvoll?

Peak Shaving lohnt sich besonders für Betriebe mit Leistungsmessung (über 100.000 kWh im Jahr) und kurzen, hohen Leistungsspitzen:

  • Kfz-Werkstätten: Hebebühnen, Kompressoren, Schweißgeräte
  • Bäckereien und Konditoreiein: Öfen, Knetmaschinen, Klimaanlage
  • Produktions- und Handwerksbetriebe: Maschinenanläufe, Kompressoren
  • Gastronomie: Simultaner Betrieb von Küche, Klimaanlage und Lüftung
  • Einzelhandel mit Kühlung: Anlaufströme der Kühlkompressoren

Weniger relevant ist Peak Shaving für Betriebe mit sehr gleichmäßigem Lastprofil, bei denen keine kurzen Spitzen auftreten. Eine Einschränkung gilt auch für sehr spitze Last: Wer nur selten viel Leistung abruft und unter 2.500 Benutzungsstunden bleibt, zahlt einen deutlich niedrigeren Leistungspreis, bei SWM Infrastruktur zum Beispiel 24,39 statt 153,13 €/kW. Dann bringt jedes gekappte Kilowatt entsprechend weniger.

Peak Shaving und Börsenstrom kombinieren

Ein Speicher, der für Peak Shaving eingesetzt wird, steht tagsüber nicht permanent in Bereitschaft. Zwischen den Lastspitzen lädt er sich mit günstigem Börsenstrom auf und entlädt sich in teuren Stunden. Das EMS koordiniert beide Funktionen: Peak-Shaving hat dabei immer Priorität — der für die Lastspitzenabdeckung benötigte Speicherinhalt wird reserviert, der Rest für Börsenstrom-Optimierung genutzt.

Das Ergebnis: Zwei Einsparmechanismen teilen sich dieselbe Hardware, deshalb ist die Summe beider Ersparnisse eine Obergrenze. Mehr zum SigEnergy Gewerbespeicher und seiner Technik.

Wie wird der richtige Schwellenwert bestimmt?

Der optimale Peak-Shaving-Schwellenwert hängt von der Speicherkapazität und dem Lastprofil ab. Zu niedrig gesetzt, muss der Speicher permanent einspeisen und hat keine Kapazität mehr für Börsenstrom-Optimierung. Zu hoch gesetzt, werden die größten Spitzen nicht gekappt. Wir analysieren Ihr Lastprofil der letzten 12 Monate (in der Regel aus dem Smart Meter oder aus Netzbetreiber-Daten) und berechnen den optimalen Schwellenwert. Dieser wird im EMS hinterlegt und automatisch angepasst, wenn sich Ihr Verbrauchsprofil ändert.

Nutzen Sie unseren Ersparnisrechner oder vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch, um zu erfahren, wie viel Peak Shaving in Ihrem Betrieb einsparen kann.

Fazit

Für Betriebe mit Leistungsmessung ist Peak Shaving oft der entscheidende Teil der Speicher-Wirtschaftlichkeit: Über Börsenstrom-Arbitrage allein amortisiert sich ein Speicher erst nach rund 20 bis 28 Jahren. Während Börsenstrom-Einsparungen auf der Abrechnung direkt sichtbar sind, versteckt sich der Leistungspreis oft in einem Nebenposten. Wer ihn versteht und mit einem Speicher automatisch reduziert, spart gekappte Kilowatt mal Leistungspreis, im Rechenbeispiel mit 11 kW und angenommenen 120 €/kW rund 1.320 Euro im Jahr. Ohne Leistungsmessung gibt es diese Ersparnis nicht.