Schauen Sie sich Ihre Stromrechnung genau an: Neben dem Arbeitspreis (ct/kWh) enthält sie möglicherweise einen Leistungspreis (€/kW). Dieser zweite Kostenteil wird von vielen Gewerbetreibenden übersehen — dabei macht er bei manchen Betrieben 20 bis 40 Prozent der gesamten Stromkosten aus. Peak Shaving ist die Antwort darauf.

Was ist der Leistungspreis?

Der Leistungspreis (auch Arbeitspreis für Leistung oder Netzentgelt Leistung genannt) ist ein monatlicher Festbetrag, der sich nach der höchsten gemessenen Leistungsspitze im Abrechnungszeitraum richtet. Er wird in Euro pro Kilowatt (€/kW) berechnet und multipliziert mit der maximalen gemessenen Leistung in einem 15-Minuten-Intervall über das gesamte Quartal oder Jahr.

Konkret: Wenn Ihr Betrieb einmal im Monat kurz 30 kW benötigt — zum Beispiel weil drei Hebebühnen gleichzeitig anlaufen — zahlen Sie für diese 30 kW den gesamten Monat über. Einen Tag später ist die Spitze vorbei, aber die Kosten bleiben.

In Deutschland liegt der Leistungspreis je nach Netzbetreiber typischerweise bei 50 bis 150 Euro pro kW und Jahr. Bei einem Betrieb mit einer Jahreshöchstlast von 30 kW ergibt das 1.500 bis 4.500 Euro pro Jahr — nur für den Leistungsteil der Rechnung.

Wer zahlt einen Leistungspreis?

Grundsätzlich gilt: Gewerbetreibende mit einem Jahresverbrauch über 100.000 kWh sind meist direkt in der Mittelspannung angeschlossen und zahlen immer einen Leistungspreis. Kleinere Betriebe im Niederspannungsnetz zahlen in der Regel ab einem Jahresverbrauch von 30.000 kWh oder einer Leistung ab 12 kW einen Leistungspreis — dies hängt vom Tarif des Netzbetreibers ab.

Prüfen Sie Ihre Stromrechnung: Wenn dort ein Posten "Leistung (kW)" oder "Jahreshöchstlast" auftaucht, zahlen Sie einen Leistungspreis und sind ein idealer Kandidat für Peak Shaving.

Was genau ist Peak Shaving?

"Peak Shaving" bedeutet wörtlich übersetzt "Lastspitzen abkappen". Die Methode basiert darauf, dass kurze Leistungsspitzen durch eine Batterie aufgefangen werden, bevor sie zum Netzbezug führen. Technisch gesehen überwacht das Energiemanagementsystem (EMS) in Echtzeit den Strombezug des Betriebs. Sobald die Leistung einen vordefinierten Schwellenwert zu überschreiten droht, gibt das EMS ein Signal an den Speicher, und dieser speist binnen Millisekunden Energie ein — die gemessene Netzleistung bleibt unterhalb des Schwellenwerts.

Dieser Vorgang läuft vollautomatisch und ohne menschliches Eingreifen ab. Der Betrieb merkt davon nichts — alle Verbraucher laufen normal weiter, nur die Leistungsspitze erscheint nicht mehr auf dem Zähler.

Wie viel lässt sich sparen?

Die Einsparung durch Peak Shaving hängt von drei Faktoren ab: der Höhe des Leistungspreises Ihres Netzbetreibers, der aktuellen Jahreshöchstlast und dem Ausmaß, um das diese durch einen Speicher gesenkt werden kann.

Als Faustformel gilt: Ein 27-kWh-Gewerbespeicher kann die Jahreshöchstlast typischerweise um 10 bis 20 kW senken. Bei einem Leistungspreis von 100 €/kW entspricht das einer Einsparung von 1.000 bis 2.000 Euro im Jahr — allein durch Peak Shaving, ohne den Börsenstromeffekt zu berücksichtigen.

Praxisbeispiel: Kfz-Werkstatt

Eine Kfz-Werkstatt mit zwei Hebebühnen, einem Kompressor und der allgemeinen Betriebstechnik hat eine Jahreshöchstlast von 28 kW. Diese tritt auf, wenn beide Hebebühnen gleichzeitig anfahren und der Kompressor gerade anläuft. Der Rest der Zeit liegt die Leistung bei 8 bis 12 kW. Der Netzbetreiber berechnet 120 €/kW Leistungspreis pro Jahr.

Ohne Speicher: 28 kW × 120 €/kW = 3.360 € Leistungskosten pro Jahr.

Mit Peak Shaving (Schwellenwert auf 14 kW gesetzt): Der Speicher kürzt alle Spitzen über 14 kW ab. Neue Jahreshöchstlast: 14 kW. Neue Leistungskosten: 14 × 120 € = 1.680 €. Einsparung: 1.680 € pro Jahr.

In Kombination mit der Börsenstrom-Einsparung von rund 1.800 € pro Jahr ergibt sich eine Gesamtersparnis von ca. 3.480 € — bei einem Speicher für 18.000 Euro entspricht das einer Amortisationszeit von rund 5,2 Jahren.

Für welche Betriebe ist Peak Shaving besonders wertvoll?

Peak Shaving lohnt sich besonders für Betriebe mit kurzen, hohen Leistungsspitzen:

  • Kfz-Werkstätten: Hebebühnen, Kompressoren, Schweißgeräte
  • Bäckereien und Konditoreiein: Öfen, Knetmaschinen, Klimaanlage
  • Produktions- und Handwerksbetriebe: Maschinenanläufe, Kompressoren
  • Gastronomie: Simultaner Betrieb von Küche, Klimaanlage und Lüftung
  • Einzelhandel mit Kühlung: Anlaufströme der Kühlkompressoren

Weniger relevant ist Peak Shaving für Betriebe mit sehr gleichmäßigem Lastprofil, bei denen keine kurzen Spitzen auftreten.

Peak Shaving und Börsenstrom: Die perfekte Kombination

Ein Speicher, der für Peak Shaving eingesetzt wird, steht tagsüber nicht permanent in Bereitschaft. Zwischen den Lastspitzen lädt er sich mit günstigem Börsenstrom auf und entlädt sich in teuren Stunden. Das EMS koordiniert beide Funktionen: Peak-Shaving hat dabei immer Priorität — der für die Lastspitzenabdeckung benötigte Speicherinhalt wird reserviert, der Rest für Börsenstrom-Optimierung genutzt.

Das Ergebnis: Zwei unabhängige Einsparmechanismen laufen gleichzeitig auf derselben Hardware. Mehr zum SigEnergy Gewerbespeicher und seiner Technik.

Wie wird der richtige Schwellenwert bestimmt?

Der optimale Peak-Shaving-Schwellenwert hängt von der Speicherkapazität und dem Lastprofil ab. Zu niedrig gesetzt, muss der Speicher permanent einspeisen und hat keine Kapazität mehr für Börsenstrom-Optimierung. Zu hoch gesetzt, werden die größten Spitzen nicht gekappt. Wir analysieren Ihr Lastprofil der letzten 12 Monate (in der Regel aus dem Smart Meter oder aus Netzbetreiber-Daten) und berechnen den optimalen Schwellenwert. Dieser wird im EMS hinterlegt und automatisch angepasst, wenn sich Ihr Verbrauchsprofil ändert.

Nutzen Sie unseren Ersparnisrechner oder vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch, um zu erfahren, wie viel Peak Shaving in Ihrem Betrieb einsparen kann.

Fazit

Peak Shaving ist für viele Gewerbetreibende der unterschätzte Teil der Speicher-Wirtschaftlichkeit. Während Börsenstrom-Einsparungen auf der Abrechnung direkt sichtbar sind, versteckt sich der Leistungspreis oft in einem Nebenposten. Wer ihn versteht und mit einem Speicher automatisch reduziert, erschließt eine weitere Einsparmöglichkeit von typischerweise 500 bis 3.000 Euro im Jahr.