Dynamische Stromtarife stehen seit dem Energiewirtschaftsgesetz 2023 allen Haushaltskunden und Gewerbetreibenden zur Verfügung. Doch was bedeutet "dynamischer Tarif" eigentlich, wie funktioniert die EPEX Spot, und wer profitiert wirklich? Dieser Artikel gibt Ihnen das Wissen, das Sie benötigen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Was ist die EPEX Spot?

Die EPEX Spot (European Power Exchange) ist die führende Strombörse in Mitteleuropa. Hier werden täglich die Strompreise für Deutschland, Österreich, Frankreich und weitere Länder bestimmt. Der Handel an der EPEX Spot teilt sich in zwei Hauptmärkte auf: den Day-Ahead-Markt und den Intraday-Markt.

Im Day-Ahead-Markt werden täglich um 12:00 Uhr die Preise für alle 24 Stunden des Folgetages festgelegt. Erzeuger (Windparkbetreiber, Kraftwerksbetreiber, Solaranlagenbetreiber) und Verbraucher geben Angebote und Gebote ab. Der Preis ergibt sich an dem Punkt, wo Angebot und Nachfrage sich treffen. Diese Preise sind ab 13:00 Uhr öffentlich zugänglich und bilden die Grundlage für dynamische Stromtarife. Aktuelle Börsenpreise können Sie auf SMARD.de der Bundesnetzagentur einsehen.

Der Intraday-Markt läuft kontinuierlich bis kurz vor der jeweiligen Lieferstunde. Hier werden Abweichungen vom Day-Ahead-Plan ausgeglichen — etwa wenn ein Windpark unerwartet mehr oder weniger einspeist als geplant. Für kleine Gewerbetreibende mit Speicher ist der Day-Ahead-Markt relevant, da der Ladeplan des Speichers auf Basis dieser bekannten Preise optimiert wird.

Wie schwanken die Preise?

Börsenstrompreise können innerhalb eines Tages erheblich schwanken. An einem typischen Wintertag mit wenig erneuerbarer Energie und hoher Nachfrage können die Preise in den Morgen- und Abendstunden auf 30 bis 50 ct/kWh steigen. An Wochenenden mit viel Wind und Sonne hingegen fallen die Preise manchmal auf 2 bis 5 ct/kWh — oder sogar in den negativen Bereich.

Günstige Stunden sind typischerweise nachts zwischen 0 und 6 Uhr sowie mittags zwischen 11 und 14 Uhr, wenn viel Solarenergie eingespeist wird. Teure Stunden liegen morgens zwischen 6 und 9 Uhr (alle starten gleichzeitig in den Tag) und abends zwischen 17 und 20 Uhr. Der durchschnittliche Börsenstrompreis lag in Deutschland 2025 bei rund 7 bis 9 ct/kWh netto — weit unter dem Festpreis von 25 bis 30 ct/kWh.

Warum ist Börsenstrom nicht einfach für alle verfügbar?

Der Börsenstrompreis ist nur der Beschaffungspreis — er deckt noch keine Netzentgelte, Steuern und Abgaben ab. Diese Fixbestandteile betragen in Deutschland typischerweise 15 bis 18 ct/kWh und sind unabhängig vom Börsenkurs. Dennoch ist der Spielraum durch den variablen Beschaffungsanteil groß genug, um erhebliche Einsparungen zu erzielen. Voraussetzung für einen dynamischen Tarif ist ein Smart Meter — ein digitaler Stromzähler, der den Verbrauch viertelstündlich erfasst.

Welche Risiken gibt es?

Ohne Speicher ist Börsenstrom für Gewerbetreibende riskant: In den teuren Abend- und Morgenstunden, wenn der Betrieb läuft, würden Sie deutlich höhere Preise zahlen als bei einem Festpreistarif. An extremen Tagen (Kältewellen im Winter, Hochdrucklagen ohne Wind im Sommer) können die Preise kurzzeitig explodieren.

Mit einem Batteriespeicher entfällt dieses Risiko vollständig. Das Energiemanagementsystem lädt den Speicher ausschließlich in günstigen Stunden und versorgt Ihren Betrieb in teuren Stunden aus dem Speicher. Für die seltenen Fälle, in denen der Speicher leer ist und die Preise gerade hoch sind, greift der normale Netzbezug — aber das wird durch das EMS weitgehend vermieden.

Wer profitiert am meisten?

Besonders profitabel ist Börsenstrom für Betriebe mit vorhersehbarem Verbrauchsprofil und einem Verbrauch ab 500 kWh pro Monat. Dazu gehören:

  • Friseursalons und Kosmetikstudios mit regelmäßigen Öffnungszeiten und konstantem Verbrauch
  • Restaurants und Cafés mit hohem Kühl- und Klimabedarf
  • Hotels und Pensionen mit nahezu rundum-die-Uhr Verbrauch
  • Arzt- und Zahnarztpraxen mit hohem Gerätebedarf und festen Öffnungszeiten
  • Kfz-Werkstätten und Handwerksbetriebe (profitieren zusätzlich durch Peak Shaving)
  • Einzelhandel mit Kühlung und Beleuchtung

Weniger geeignet sind Betriebe mit sehr unregelmäßigem Verbrauch oder solche, die hauptsächlich abends und morgens zu den teuren Stunden verbrauchen, ohne einen Speicher nutzen zu können.

Negative Preise: Kostenloser Strom ist möglich

Ein besonderes Phänomen des Börsenstrommarkts sind negative Preise. Sie treten auf, wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt — typischerweise an Feiertagen mit starker Wind- und Solareinspeisung bei gleichzeitig geringer Industrienachfrage. In Deutschland kamen negative Preise 2025 über 40 Mal vor. Mit einem dynamischen Tarif und einem Speicher können Sie in diesen Stunden buchstäblich dafür bezahlt werden, Strom zu verbrauchen. Ihr Speicher lädt kostenlos auf und nutzt diesen Strom in den folgenden teuren Stunden.

Wie stellt man auf Börsenstrom um?

Die Umstellung erfolgt in drei Schritten: Erstens wird ein Smart Meter installiert (Koordination durch uns, Dauer zwei bis vier Wochen). Zweitens wird ein dynamischer Stromtarif abgeschlossen. Drittens wird der Batteriespeicher installiert und konfiguriert, der dann vollautomatisch das Laden und Entladen nach Börsenpreisen optimiert. Mehr Details zum genauen Prozess finden Sie auf unserer Ablauf-Seite.

Wenn Sie wissen möchten, wie viel Sie mit Börsenstrom und einem Speicher sparen könnten, nutzen Sie unseren Ersparnisrechner. Oder lesen Sie weiter, wie viel ein Gewerbespeicher kostet: Was kostet ein Gewerbespeicher?

Fazit

Börsenstrom ist kein Produkt für Spezialisten, sondern eine zugängliche Möglichkeit für jeden Gewerbetreibenden, dauerhaft günstigeren Strom zu beziehen. Mit einem Speicher ist das damit verbundene Preisschwankungsrisiko vollständig eliminiert. Die Kombination aus dynamischem Tarif und Gewerbespeicher ist das wirkungsvollste Instrument zur Senkung der Stromrechnung.