Seit dem 1. Januar 2025 muss jeder Stromlieferant Kunden mit intelligentem Messsystem einen dynamischen Tarif anbieten (§ 41a Abs. 2 EnWG). Doch was bedeutet "dynamischer Tarif" eigentlich, wie funktioniert die EPEX Spot, und wer profitiert wirklich? Dieser Artikel gibt Ihnen das Wissen, das Sie benötigen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Was ist die EPEX Spot?

Die EPEX Spot (European Power Exchange) ist die führende Strombörse in Mitteleuropa. Hier werden täglich die Strompreise für Deutschland, Österreich, Frankreich und weitere Länder bestimmt. Der Handel an der EPEX Spot teilt sich in zwei Hauptmärkte auf: den Day-Ahead-Markt und den Intraday-Markt.

Im Day-Ahead-Markt werden täglich um 12:00 Uhr die Preise für den Folgetag festgelegt, seit dem 1. Oktober 2025 für jede Viertelstunde, vorher für jede Stunde. Erzeuger (Windparkbetreiber, Kraftwerksbetreiber, Solaranlagenbetreiber) und Verbraucher geben Angebote und Gebote ab. Der Preis ergibt sich an dem Punkt, wo Angebot und Nachfrage sich treffen. Diese Preise sind ab 13:00 Uhr öffentlich zugänglich und bilden die Grundlage für dynamische Stromtarife. Aktuelle Börsenpreise können Sie auf SMARD.de der Bundesnetzagentur einsehen.

Der Intraday-Markt läuft kontinuierlich bis kurz vor der jeweiligen Lieferstunde. Hier werden Abweichungen vom Day-Ahead-Plan ausgeglichen — etwa wenn ein Windpark unerwartet mehr oder weniger einspeist als geplant. Für kleine Gewerbetreibende mit Speicher ist der Day-Ahead-Markt relevant, da der Ladeplan des Speichers auf Basis dieser bekannten Preise optimiert wird.

Wie schwanken die Preise?

Börsenstrompreise können innerhalb eines Tages erheblich schwanken. An Wintertagen mit wenig erneuerbarer Energie und hoher Nachfrage steigen die Preise in den Morgen- und Abendstunden deutlich. An Wochenenden mit viel Wind und Sonne hingegen fallen die Preise manchmal auf 2 bis 5 ct/kWh — oder sogar in den negativen Bereich. Von September 2025 bis August 2026 kosteten die vier teuersten Stunden eines Tages im Mittel 15,58 ct/kWh, die vier günstigsten 4,25 ct/kWh (netto).

Günstige Stunden liegen in den meisten Monaten mittags zwischen 11 und 15 Uhr, wenn viel Solarenergie eingespeist wird: Von September 2025 bis August 2026 kostete die Stunde um 13 Uhr im Mittel 4,70 ct/kWh. Nachts lag der Preis mit rund 9,5 ct nahe am Tagesmittel; nur im Winter (November bis Februar) waren die Nachtstunden am günstigsten. Teure Stunden liegen morgens zwischen 6 und 9 Uhr (alle starten gleichzeitig in den Tag) und vor allem abends zwischen 18 und 22 Uhr, am teuersten um 19 Uhr mit 15,07 ct/kWh (Strompreis-Monitor). Im Mittel aller Stunden lag der Börsenpreis in diesem Zeitraum bei 9,90 ct/kWh netto. Mit einem Festpreis von 25 bis 30 ct/kWh ist das nicht direkt vergleichbar: Dort sind Netzentgelte, Umlagen und Steuern schon enthalten (so setzt sich der Gewerbestrompreis zusammen).

Warum ist Börsenstrom nicht einfach für alle verfügbar?

Der Börsenstrompreis ist nur der Beschaffungspreis — er deckt noch keine Netzentgelte, Steuern und Abgaben ab. Diese Fixbestandteile betragen in Deutschland typischerweise 15 bis 18 ct/kWh und sind unabhängig vom Börsenkurs. Ein Speicher nutzt deshalb nur die Differenz zwischen günstigen und teuren Stunden. Nach unserer Rechnung bringt er rund 27 € je kWh Speicherkapazität und Jahr (so rechnen wir). Voraussetzung für einen dynamischen Tarif ist ein Smart Meter — ein digitaler Stromzähler, der den Verbrauch viertelstündlich erfasst.

Welche Risiken gibt es?

Ohne Speicher ist Börsenstrom für Gewerbetreibende riskant: In den teuren Abend- und Morgenstunden, wenn der Betrieb läuft, würden Sie deutlich höhere Preise zahlen als bei einem Festpreistarif. An extremen Tagen (Kältewellen im Winter, Hochdrucklagen ohne Wind im Sommer) können die Preise kurzzeitig explodieren.

Mit einem Batteriespeicher sinkt dieses Risiko deutlich. Das Energiemanagementsystem lädt den Speicher in günstigen Stunden und versorgt Ihren Betrieb in teuren Stunden aus dem Speicher. Was darüber hinaus gebraucht wird, kommt zum jeweiligen Börsenpreis aus dem Netz. Wie viel das ist, hängt davon ab, wie groß der Speicher im Verhältnis zu Ihrem Verbrauch in den teuren Stunden ist.

Wer profitiert am meisten?

Gut geeignet ist Börsenstrom für Betriebe mit vorhersehbarem Verbrauchsprofil und einem Verbrauch ab 500 kWh pro Monat. Dazu gehören:

  • Friseursalons und Kosmetikstudios mit regelmäßigen Öffnungszeiten und konstantem Verbrauch
  • Restaurants und Cafés mit hohem Kühl- und Klimabedarf
  • Hotels und Pensionen mit nahezu rundum-die-Uhr Verbrauch
  • Arzt- und Zahnarztpraxen mit hohem Gerätebedarf und festen Öffnungszeiten
  • Kfz-Werkstätten und Handwerksbetriebe (mit Leistungsmessung ab 100.000 kWh im Jahr zusätzlich durch Peak Shaving)
  • Einzelhandel mit Kühlung und Beleuchtung

Weniger geeignet sind Betriebe mit sehr unregelmäßigem Verbrauch oder solche, die hauptsächlich abends und morgens zu den teuren Stunden verbrauchen, ohne einen Speicher nutzen zu können.

Negative Preise: besonders günstiger Strom

Ein besonderes Phänomen des Börsenstrommarkts sind negative Preise. Sie treten auf, wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt — typischerweise an Feiertagen mit starker Wind- und Solareinspeisung bei gleichzeitig geringer Industrienachfrage. Von September 2025 bis August 2026 war der Day-Ahead-Preis in 532 Stunden negativ. Der Börsenanteil Ihres Strompreises ist dann negativ, Netzentgelte, Umlagen und Steuern zahlen Sie trotzdem. Kostenlos ist der Strom also auch in diesen Stunden nicht, aber besonders günstig: Ihr Speicher lädt dann bevorzugt und nutzt diesen Strom in den folgenden teuren Stunden.

Wie stellt man auf Börsenstrom um?

Die Umstellung erfolgt in drei Schritten: Erstens wird ein Smart Meter installiert (Koordination durch uns; auf Wunsch muss der Messstellenbetreiber innerhalb von vier Monaten einbauen). Zweitens wird ein dynamischer Stromtarif abgeschlossen. Drittens wird der Batteriespeicher installiert und konfiguriert, der dann vollautomatisch das Laden und Entladen nach Börsenpreisen optimiert. Mehr Details zum genauen Prozess finden Sie auf unserer Ablauf-Seite.

Wenn Sie wissen möchten, wie viel Sie mit Börsenstrom und einem Speicher sparen könnten, nutzen Sie unseren Ersparnisrechner. Oder lesen Sie weiter, wie viel ein Gewerbespeicher kostet: Was kostet ein Gewerbespeicher?

Fazit

Börsenstrom ist kein Produkt für Spezialisten, sondern eine zugängliche Möglichkeit für Gewerbetreibende, Strom günstiger einzukaufen. Ob er für Sie günstiger ist als Ihr Festpreis, zeigt die Rechnung mit Ihrem heutigen Arbeitspreis. Ein Speicher verringert das Preisschwankungsrisiko und bringt über Arbitrage rund 27 € je kWh Kapazität im Jahr. Wirtschaftlich wird die Kombination aus dynamischem Tarif und Gewerbespeicher vor allem für Betriebe mit Leistungsmessung, bei denen Peak Shaving hinzukommt.