Die optimale Speichergröße für ein Gewerbeobjekt lässt sich nicht aus einer einfachen Formel ableiten. Sie hängt von mehreren Faktoren ab: dem monatlichen Stromverbrauch, dem Lastprofil (Verteilung des Verbrauchs über den Tag), dem gewünschten Anwendungsfall (nur Börsenstrom, nur Peak Shaving oder beides) und dem verfügbaren Budget. Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch die Entscheidung.
Grundregel: Verbrauch als erster Anhaltspunkt
Als grober Richtwert gilt: Der Speicher sollte nicht mehr Strom abgeben, als Ihr Betrieb in den teuren Stunden selbst verbraucht. Teuer ist Strom meist am frühen Abend, im Winter auch am Morgen. Der Speicher macht einen Zyklus pro Tag: Er lädt in den günstigsten Stunden und entlädt in den teuersten (so rechnen wir). Kapazität, die er abends nicht loswird, verdient nichts.
Daraus folgt eine einfache Faustformel: Speicherkapazität (kWh) = Tagesverbrauch (kWh) × 0,35, also gut ein Drittel dessen, was Ihr Betrieb an einem Tag verbraucht. Ein Betrieb mit 1.500 kWh im Monat (rund 49 kWh am Tag) kommt so auf gut 17 kWh. Über Börsenstrom-Arbitrage bringt ein Speicher dieser Größe als Rechenbeispiel rund 460 € im Jahr (26,78 € je kWh Kapazität). Hat Ihr Betrieb eine Leistungsmessung (über 100.000 kWh im Jahr), kann für das Peak Shaving mehr Kapazität sinnvoll sein.
Orientierungstabelle nach Betriebstyp
| Betriebstyp | Verbrauch/Monat (Beispiel) | Empfohlene Kapazität (höchstens) |
|---|---|---|
| Kleiner Friseursalon (1–3 Plätze) | 400–700 kWh | 5–8 kWh |
| Arztpraxis / Zahnarztpraxis | 700–1.200 kWh | 8–14 kWh |
| Restaurant / Café (50–100 Plätze) | 1.000–2.000 kWh | 12–23 kWh |
| Boutique-Hotel (20–40 Zimmer) | 2.000–4.000 kWh | 23–46 kWh |
| Kfz-Werkstatt / Handwerksbetrieb | 1.500–3.500 kWh | 17–40 kWh |
| Einzelhandel (150–300 m²) | 1.200–3.000 kWh | 14–35 kWh |
Kapazität = Tagesverbrauch × 0,35. Die Verbrauchswerte sind Beispiele, keine gemessenen Branchendurchschnitte; maßgeblich ist Ihre Stromrechnung. Keiner dieser Betriebe kommt über 100.000 kWh im Jahr: Peak Shaving spart hier nichts, und über die Börsenstrom-Arbitrage allein amortisiert sich ein Speicher erst nach rund 20 bis 28 Jahren.
Einflussfaktor 1: Das Lastprofil
Das Lastprofil beschreibt, wann und wie stark ein Betrieb Strom verbraucht. Ein Betrieb, der gleichmäßig über den Tag verteilt Strom verbraucht, benötigt eine andere Speichergröße als einer, dessen Verbrauch auf wenige Stunden konzentriert ist.
Gleichmäßiges Lastprofil (z. B. Hotel, das rund um die Uhr Strom benötigt): Hier findet der Speicher in den teuren Abendstunden immer genug Verbrauch für seinen täglichen Zyklus. Eine mittlere Kapazität reicht aus.
Konzentriertes Lastprofil (z. B. Restaurant, das mittags und abends stark verbraucht): Der Speicher muss genug Kapazität haben, um die teuren Abendstunden vollständig abzudecken. Eine größere Kapazität ist sinnvoll.
Lastspitzen durch Maschinen (z. B. Werkstatt mit Kompressor): Zusätzlich zur Börsenstrom-Funktion muss der Speicher genug Kapazität für das Peak Shaving reservieren, sofern der Betrieb eine Leistungsmessung hat (über 100.000 kWh im Jahr); ohne sie kosten die Spitzen nichts extra. Mehr dazu in unserem Artikel Peak Shaving erklärt.
Einflussfaktor 2: Photovoltaik
Wenn Sie eine Photovoltaikanlage betreiben oder planen, ändert sich die optimale Speicherdimensionierung. Mit PV sollte der Speicher groß genug sein, um den täglichen Solarüberschuss aufzunehmen. Als Richtwert gilt: Speicherkapazität (kWh) = PV-Leistung (kWp) × 0,8 bis 1,2. Eine 15-kWp-Anlage kommt so auf einen empfohlenen Speicher von 12 bis 18 kWh für die PV-Funktion.
Da der Speicher für Börsenstrom und PV-Eigenverbrauch gleichzeitig optimiert werden soll, addieren sich die Anforderungen teilweise. Unser EMS koordiniert beide Anforderungen automatisch und priorisiert nach Wirtschaftlichkeit.
Einflussfaktor 3: Anwendungsfall
Definieren Sie, welche Einsparziele Sie verfolgen:
- Nur Börsenstrom-Optimierung: Mittlere Kapazität nach Verbrauchsformel; Priorität auf Ladeeffizienz und Zyklenanzahl
- Nur Peak Shaving (nur mit Leistungsmessung sinnvoll): Kapazität orientiert sich an der Höhe und Dauer der abzufangenden Lastspitzen; oft reichen 10 bis 20 kWh
- Beides kombiniert (für Betriebe mit Leistungsmessung): Größere Kapazität, die beide Anforderungen abdeckt; EMS verteilt die verfügbare Energie automatisch
- Notfallversorgung / Inselbetrieb: Wenn ein Teil des Betriebs auch bei Netzausfall weiterarbeiten soll, ist eine deutlich größere Kapazität erforderlich
Wirtschaftlichkeit verschiedener Kapazitäten
Nicht immer ist der größte Speicher der wirtschaftlichste. Die Grenzkosten (Euro je zusätzliche kWh Kapazität) steigen bei kleinen Einheiten oft überproportional. Gleichzeitig nimmt die Auslastung des Speichers ab, wenn er zu groß für den Verbrauch ist.
Als Faustregel gilt: Der Speicher sollte an möglichst jedem Tag einmal voll entladen werden; in unserer Rechnung sind es 364 Zyklen im Jahr. Wird er abends nicht leer, weil der Betrieb dann zu wenig verbraucht, ist er überdimensioniert, und die Wirtschaftlichkeit leidet. Wir berechnen für jeden Kunden die optimale Kapazität auf Basis des tatsächlichen Lastprofils der letzten 12 Monate.
Modulare Systeme: Heute klein starten, später erweitern
Viele moderne Gewerbespeicher sind modular aufgebaut. Das bedeutet, Sie können heute mit einer Basiskapazität beginnen und den Speicher bei wachsendem Bedarf oder nach einer positiven Erfahrung erweitern. Der SigEnergy Gewerbespeicher unterstützt modulare Erweiterungen, sodass Sie nicht von Beginn an die maximale Kapazität kaufen müssen.
Gerade für Betriebe, die unsicher sind, wie groß ihr tatsächlicher Bedarf ist, kann ein moderater Einstieg sinnvoll sein. Nach 6 bis 12 Monaten Betrieb sind die Verbrauchsmuster klar analysiert und eine Erweiterungsentscheidung lässt sich datenbasiert treffen.
Schritt-für-Schritt: Wie Sie die richtige Größe ermitteln
- Jahresverbrauch ermitteln: Sehen Sie in Ihrer Stromrechnung nach (kWh/Jahr)
- Monatlichen Durchschnitt berechnen: Jahresverbrauch ÷ 12
- Orientierungsgröße ableiten: Tagesverbrauch (Jahresverbrauch ÷ 365) × 0,35 = grobe Obergrenze in kWh für die Arbitrage
- Lastprofil berücksichtigen: Haben Sie Spitzen? Welche Stunden sind verbrauchsintensiv?
- Anwendungsfälle definieren: Börsenstrom, Peak Shaving, PV, Notversorgung?
- Angebot einholen: Konkrete Dimensionierung durch unsere Energieberater auf Basis Ihrer Daten
Fazit
Die Speichergröße ist keine Frage des "größer ist besser", sondern der optimalen Abstimmung auf Ihren Betrieb. Mit unserem Ersparnisrechner erhalten Sie in wenigen Minuten eine erste Einschätzung. Für eine präzise Empfehlung analysieren wir Ihr Lastprofil im persönlichen Gespräch — kostenloses Beratungsgespräch vereinbaren.