Die Peak-Shaving-Formel
Peak Shaving (deutsch: Lastspitzenkappung) reduziert die höchste gemessene Leistungsaufnahme eines Gewerbebetriebs. Da der Leistungspreis in Ihrer Stromrechnung auf diese Jahresspitze berechnet wird, spart jede Reduktion Geld, sofern Ihr Verbrauch viertelstündlich gemessen wird. Das ist Pflicht ab über 100.000 kWh im Jahr (§ 55 Abs. 1 MsbG); darunter gibt es keinen Leistungspreis und damit nichts zu sparen.
Einsparung/Jahr = Spitzenlast-Reduktion (kW) × Leistungspreis (€/kW)
Rechenbeispiel: Wird die Jahresspitze mit einem Batteriespeicher von 80 kW auf 60 kW gesenkt (20 kW Reduktion) und beträgt der Leistungspreis 120 €/kW im Jahr, ergibt sich eine Einsparung von 2.400 € pro Jahr, solange der Speicher jede Spitze des Jahres zuverlässig abfängt. 120 €/kW ist unsere Annahme für Betriebe ab 2.500 Benutzungsstunden (so rechnen wir).
Schritt 1: Aktuelle Spitzenlast ermitteln
Bei Gewerbekunden mit RLM-Messung (Registrierende Leistungsmessung, Pflicht über 100.000 kWh/Jahr nach § 55 Abs. 1 MsbG, unterhalb freiwillig möglich) wird der Stromverbrauch in 15-Minuten-Intervallen aufgezeichnet. Der höchste 15-Minuten-Mittelwert der Leistungsaufnahme in einem Abrechnungsjahr ist die maßgebliche Spitzenlast.
Wo finden Sie die Werte?
- Im Kundenportal Ihres Netzbetreibers (Lastgang-Export als CSV)
- Auf der Jahresrechnung unter "Höchstleistung" oder "maximale Viertelstundenleistung"
- Über die Daten eines intelligenten Messsystems (über 6.000 kWh Jahresverbrauch baut der Messstellenbetreiber es ohnehin ein)
Ohne RLM-Messung zahlen Sie keinen Leistungspreis: Der Netzbetreiber rechnet dann mit einem Standardlastprofil, und Ihre Spitzenlast kostet nichts extra. Peak Shaving bringt Ihnen in diesem Fall nichts; ein Speicher verdient dann nur über die Börsenstrom-Arbitrage.
Schritt 2: Leistungspreis kennen
Der Leistungspreis steht auf Ihrer Stromrechnung unter "Leistungsentgelt" oder "Leistungspreis". Er wird in EUR pro kW pro Jahr angegeben und hängt vom Netzbetreiber, der Spannungsebene und der Benutzungsdauer ab (Jahresverbrauch geteilt durch Jahreshöchstlast). Wer seine Leistung selten voll abruft und unter 2.500 Benutzungsstunden bleibt, zahlt einen niedrigen Leistungspreis und dafür einen höheren Arbeitspreis. Zwei veröffentlichte Preisblätter 2026, Niederspannung:
| Netzbetreiber (Preisblatt 2026) | unter 2.500 h | ab 2.500 h |
|---|---|---|
| SWM Infrastruktur (München) | 24,39 €/kW | 153,13 €/kW |
| EAM Netz (Hessen)* | 72,84 €/kW | 167,52 €/kW |
Jahresleistungspreise netto, Niederspannung. * Preisblatt „unter Vorbehalt“ veröffentlicht. In unseren Rechenbeispielen setzen wir für Betriebe ab 2.500 Benutzungsstunden 120 €/kW im Jahr an. Ihren eigenen Wert finden Sie auf der Netzrechnung oder im Preisblatt Ihres Netzbetreibers.
Schritt 3: Einsparung berechnen
Jetzt wird's einfach. Mit Spitzenlast und Leistungspreis lässt sich die aktuelle Leistungspreis-Kostensäule berechnen — und wie viel davon durch Peak Shaving wegfällt.
Rechenbeispiel (Betrieb mit Leistungsmessung, 200.000 kWh im Jahr):
- Aktuelle Spitzenlast: 80 kW, also 2.500 Benutzungsstunden
- Leistungspreis: 120 €/kW/Jahr (Annahme ab 2.500 Benutzungsstunden)
- Aktuelle Jahreskosten: 80 × 120 = 9.600 €/Jahr
- Neue Spitzenlast mit Speicher (Reduktion um ein Viertel): 60 kW
- Neue Jahreskosten: 60 × 120 = 7.200 €/Jahr
- Einsparung im Rechenbeispiel: 20 kW × 120 €/kW = 2.400 €/Jahr
Mehr als ein Viertel der Spitze setzen wir in Beispielen nicht an: Der Speicher muss jede Spitze des Jahres abfangen, und schon eine verpasste Viertelstunde bestimmt den Leistungspreis für das ganze Jahr.
Schritt 4: Optimale Speichergröße ableiten
Wie groß muss der Speicher sein, um die angepeilte Spitzenreduktion zu schaffen? Die Antwort hängt davon ab, wie lange die Spitze dauert.
Speicher (kWh) = Reduktion (kW) × Dauer (h) × 1,3
Der Faktor 1,3 ist ein Sicherheitsaufschlag für Wirkungsgrad und Reserve. Die Formel ergibt die Untergrenze für eine einzelne Spitze. Weil der Speicher jede Spitze des Jahres abfangen muss, auch die längste und mehrere kurz hintereinander, rechnen wir in unseren Beispielen vorsichtiger mit höchstens 1 kW gekappter Leistung je 2 kWh Kapazität.
Beispiele:
- Bäckerei (Öfen-Spitze 30 Minuten): 25 kW × 0,5 h × 1,3 = 16 kWh → 22-kWh-Speicher
- Kfz-Werkstatt (Hebebühnen-Spitze 15 Min): 20 kW × 0,25 h × 1,3 = 6,5 kWh → 10-kWh-Speicher
- Hotel (Morgenspitze 60 Min): 35 kW × 1 h × 1,3 = 46 kWh → 54-kWh-Speicher
Sehen Sie alle verfügbaren Speichergrößen oder nutzen Sie unseren Online-Rechner zur automatischen Dimensionierung.
Schritt 5: ROI und Amortisation
Mit Einsparung und Investition berechnen Sie die Amortisationszeit: Investition netto geteilt durch die jährliche Ersparnis des Speichers. Den Investitionsabzugsbetrag § 7g EStG — er verschiebt Steuer auf später, senkt die Investition aber nicht — rechnen wir nicht in die Amortisation ein; welche Wirkung er in Ihrem Fall hat, klärt Ihr Steuerberater.
Rechenbeispiel (derselbe Betrieb wie in Schritt 3, 22-kWh-Speicher):
- Speicher: 22 kWh, Investition netto: 13.500 €
- IAB (Liquidität, keine Ersparnis): bei angenommen 30 % Steuersatz rund 2.025 € weniger Steuer im Jahr vor dem Kauf
- Jährliche Einsparung Peak Shaving: 11 kW × 120 €/kW = 1.320 € (1 kW je 2 kWh Kapazität)
- Zusätzliche Einsparung Börsenstrom-Arbitrage: rund 590 € (22 kWh × 26,78 €)
- Gesamteinsparung mit Peak Shaving (Annahme 120 €/kW): rund 1.910 €/Jahr (Obergrenze, beide nutzen denselben Speicher)
- Amortisation: 13.500 / 1.910 = rund 7,1 Jahre
Über Börsenstrom-Arbitrage allein wären es rund 23 Jahre. Ohne Leistungsmessung trägt die Börse allein den Speicher nicht; mit Leistungsmessung kann er sich innerhalb der Herstellergarantie von zehn Jahren bezahlt machen.
3 Rechenbeispiele
Beispiel 1: Bäckerei
Ausgangslage: 120.000 kWh/Jahr, Spitzenlast 80 kW morgens beim Anfahren der Etagenöfen. Über 100.000 kWh hat die Bäckerei eine Leistungsmessung und zahlt einen Leistungspreis, kommt mit ihrer spitzen Last aber nur auf 1.500 Benutzungsstunden. Dafür gilt der niedrige Leistungspreis, in den beiden Preisblättern aus Schritt 2 24,39 bzw. 72,84 €/kW.
Mit 22-kWh-Speicher (Rechenbeispiel):
- Spitzenreduktion: 80 → 69 kW (11 kW, 1 kW je 2 kWh Kapazität)
- Leistungspreis-Ersparnis (Preisblatt-Beispiele): 11 kW × 24,39 bis 72,84 €/kW = rund 270 bis 800 €/Jahr
- Börsenstrom-Arbitrage: rund 590 €/Jahr (22 kWh × 26,78 €)
- Gesamt mit Peak Shaving: rund 860 bis 1.390 €/Jahr · Amortisation bei 13.500 € Investition rund 10 bis 16 Jahre
Beispiel 2: Kfz-Werkstatt
Ausgangslage: 65.000 kWh/Jahr, Spitzenlast 60 kW durch gleichzeitigen Hebebühnen- und Kompressorbetrieb. Unter 100.000 kWh wird die Leistung nicht viertelstündlich gemessen: Die Werkstatt zahlt keinen Leistungspreis, die 60-kW-Spitze kostet sie nichts extra.
Mit 15-kWh-Speicher (Rechenbeispiel):
- Spitzenreduktion: bringt nichts, weil kein Leistungspreis anfällt
- Leistungspreis-Ersparnis: 0 €/Jahr
- Börsenstrom-Arbitrage: rund 400 €/Jahr (15 kWh × 26,78 €) · Amortisation bei 9.800 € Investition rund 24 Jahre
Ohne Leistungsmessung trägt die Börse allein den Speicher nicht.
Beispiel 3: Supermarkt in München
Ausgangslage: 180.000 kWh/Jahr, Spitzenlast 120 kW (Kühlung + Klima + Türen), also 1.500 Benutzungsstunden. Der Supermarkt hat eine Leistungsmessung; nach dem Preisblatt 2026 der SWM Infrastruktur zahlt er in der Niederspannung unter 2.500 Stunden 24,39 €/kW im Jahr.
Mit 45-kWh-Speicher (Rechenbeispiel):
- Spitzenreduktion: 120 → 97,5 kW (22,5 kW, 1 kW je 2 kWh Kapazität)
- Leistungspreis-Ersparnis (Preisblatt-Beispiel SWM): 22,5 kW × 24,39 €/kW = rund 550 €/Jahr
- Börsenstrom-Arbitrage: rund 1.210 €/Jahr (45 kWh × 26,78 €)
- Gesamt mit Peak Shaving: rund 1.750 €/Jahr · Amortisation bei 25.500 € Investition rund 14,5 Jahre, über Arbitrage allein rund 21 Jahre
Das Beispiel zeigt, warum der Leistungspreis Ihres Netzbetreibers und Ihre Benutzungsstunden so wichtig sind: Mit 120 €/kW, wie wir sie für gleichmäßige Last ab 2.500 Stunden ansetzen, brächte dieselbe Kappung 2.700 € im Jahr.
Häufige Fragen zur Peak-Shaving-Berechnung
Wie genau ist die Berechnung?
Die Formel ist exakt, die Einsparung hängt aber davon ab, wie viel Spitze der Speicher tatsächlich zuverlässig kappt. Er muss jede Spitze des Jahres abfangen, denn schon eine verpasste Viertelstunde bestimmt den Leistungspreis für das ganze Jahr. Wie viel das ist, zeigt erst Ihr Lastgang; in Rechenbeispielen setzen wir höchstens 1 kW je 2 kWh Speicherkapazität und höchstens ein Viertel der Jahreshöchstlast an. Voraussetzung: Das Energiemanagementsystem reagiert schnell genug (unter 1 Sekunde).
Was ist mit saisonalen Betrieben?
Der Leistungspreis wird auf die Jahresspitze berechnet. Liegt sie in der Saison (z.B. bei Hotels), senkt die Kappung den Leistungspreis für das gesamte Jahr, auch in der Nebensaison. Voraussetzung ist eine Leistungsmessung (über 100.000 kWh im Jahr). Saisonbetriebe kommen allerdings oft auf weniger als 2.500 Benutzungsstunden und zahlen dann einen niedrigeren Leistungspreis, bei SWM Infrastruktur zum Beispiel 24,39 €/kW; entsprechend weniger bringt das Kappen.
Kann ich Peak Shaving mit Börsenstrom kombinieren?
Ja, und das ist sogar empfehlenswert. Das Energiemanagementsystem priorisiert: Peak Shaving hat Vorrang (zeitkritisch), verbleibende Kapazität wird für Börsenstrom-Arbitrage genutzt. Die Summe beider Ersparnisse ist dabei eine Obergrenze, denn beide nutzen denselben Speicher: Was für eine Spitze bereitgehalten wird, steht nicht für die Arbitrage zur Verfügung.
Muss ich den Netzbetreiber informieren?
Ja. Jeder netzgekoppelte Speicher muss unabhängig von seiner Leistung vor dem Anschluss beim Netzbetreiber angemeldet werden (am Niederspannungsnetz nach VDE-AR-N 4100 und 4105, am Mittelspannungsnetz nach VDE-AR-N 4110) und spätestens einen Monat nach Inbetriebnahme im Marktstammdatenregister eingetragen sein. Die Anmeldung übernehmen wir; eine Netzverträglichkeitsprüfung führt, falls nötig, der Netzbetreiber durch.
Wie oft wird die Spitze neu gemessen?
Kontinuierlich in 15-Minuten-Intervallen, das ganze Jahr über. Der höchste Wert im Abrechnungsjahr bestimmt den Leistungspreis für das gesamte Abrechnungsjahr (§ 17 Abs. 2 StromNEV).
Nächster Schritt: Individuelle Berechnung
Nutzen Sie unseren kostenlosen Peak-Shaving-Rechner für eine erste Einschätzung oder fordern Sie eine detaillierte Lastgang-Analyse an — basierend auf Ihren eigenen Messwerten. Wir ermitteln die optimale Speichergröße und das exakte Einsparpotenzial für Ihren Betrieb.
Weiterführende Ratgeber: